Martin Pollack, Journalist und Autor:

Martin Pollack
Foto: Ayse Yavas

„Die Hilflosigkeit, manchmal böswillige Engherzigkeit, mit der unsere Länder auf den wachsenden Ansturm von Kriegsflüchtlingen reagieren, stellen Europa ein schlechtes Zeugnis aus. Das gilt für die Staaten, aber auch für die einzelnen Menschen, für jeden von uns. Die Welle der Hilfsbereitschaft, die sich zuletzt in Deutschland, Österreich und anderswo manifestierte, war wunderbar, aber sie ändert nichts am grundsätzlichen Problem. Europa hat versagt. Das betrifft uns alle. Die Frage, wie wir den Kriegsflüchtlingen begegnen sollen, ängstlich ablehnend oder hilfsbereit und solidarisch, spaltet schon jetzt Europa. An diesem sich abzeichnenden Konflikt droht das Projekt eines vereinten Europas zu zerbrechen. Es ist also nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit, den Flüchtlingen zu helfen, sie aufzunehmen – das ist in unserem eigenen Interesse.“